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Wie man realistische Zeitpläne für Sanierungen erstellt

  • Autorenbild: Mathilde Adler
    Mathilde Adler
  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Einer der häufigsten Gründe für Konflikte auf der Baustelle ist ein unrealistischer Zeitplan. Oft werden Wunschtermine von Bauherren oder grobe Daumenregeln als Basis genommen, ohne die technischen Abhängigkeiten und Risiken des Bestands zu berücksichtigen. Ein professioneller Bauzeitenplan ist jedoch kein statisches Dokument, sondern ein dynamisches Steuerungsinstrument. Er muss logische Abfolgen, Ressourcenverfügbarkeit und Unsicherheitsfaktoren abbilden. Dieser Artikel beschreibt die methodischen Schritte zur Erstellung eines belastbaren Zeitplans für Sanierungsprojekte.


Heft und Stift

Detaillierte Zerlegung der Arbeitspakete (Work Breakdown Structure)


Ein Zeitplan ist nur so genau wie die zugrundeliegende Aufgabenliste. Pauschale Positionen wie „Badezimmer renovieren” sind für die Zeitplanung unbrauchbar. Stattdessen muss das Projekt in kleinste, schätzbare Arbeitspakete zerlegt werden (z. B. „Demontage Altinstallation”, „Verlegung Wasserrohre”, „Druckprüfung”, „Verputzen Schlitz”).


Methode: Orientiere dich an der DIN 276 (Kosten im Bauwesen) oder dem STLB-Bau (Standardleistungsbau), um eine vollständige Liste aller Gewerke und Teilleistungen zu erhalten. Nur auf dieser Ebene lassen sich realistische Dauern schätzen.


Ermittlung der logischen Abhängigkeiten (Vorläufer und Nachfolger)


Nicht alle Arbeiten können parallel laufen. Die größte Fehlerquelle ist das Ignorieren technischer Zwangsläufigkeiten. Bestimmte Gewerke sind „vorläufergebunden”: Der Estrich kann nicht gelegt werden, bevor alle nassen Installationen in der Wand geprüft und die Wände nicht geschlossen sind; der Bodenbelag nicht, bevor der Estrich die notwendige Restfeuchte erreicht hat.


Methode: Erstelle ein Netzplan-Diagramm oder eine dependencies-Matrix. Definiere für jedes Arbeitspaket:

Welche Aufgabe muss zwingend vorher fertig sein? (Ende-Start-Beziehung)

Welche Aufgaben können parallel laufen? (z. B. Elektroinstallation und Sanitär im gleichen Raum, aber unterschiedlichen Zonen).

Wo sind technologische Bedienzeiten einzuhalten (z. B. Trocknungszeiten von Klebern, Betonierfristen)?


Realistische Schätzung der Bearbeitungsdauern


Optimistische Schätzungen („Wir schaffen das in drei Tagen”) sind der Feind des Zeitplans. Die Dauer ergibt sich aus der Menge (z. B. m² Fliese) dividiert durch die Leistungskapazität (z. B. m²/Tag pro Arbeiter) unter Berücksichtigung der Mannschaftsstärke.


Methode: Nutze Richtwerte aus der Fachliteratur (z. B. BKI Baukosteninformationszentrum) für die Produktivität.


Berücksichtige dabei:

Bestandsrisiken: Im alten Bau dauert das Stemmen einer Leitung oft doppelt so lange wie im Neubau aufgrund unbekannter Materialien.

Rüstzeiten: An- und Abfahrt, Auf- und Abbau des Gerüsts, Reinigung der Baustelle am Tagende.

Verfügbarkeit: Handwerker arbeiten oft auf mehreren Baustellen parallel. Kläre die tatsächliche tägliche Präsenzzeit.


Bohrmaschine

Identifikation des „Kritischen Pfads”


In jedem Projekt gibt es eine Kette von Aufgaben, die bei Verzögerung den gesamten Endtermin verschieben. Dies ist der Kritische Pfad. Aufgaben außerhalb dieses Pfads haben einen gewissen zeitlichen Spielraum (Puffer).


Methode: Analysieren Sie Ihren Netzplan. Der längste Weg durch das Projekt von Start bis Ziel ist der kritische Pfad. Konzentriere dein Management und deine Überwachung primär auf diese Aufgaben. Wenn sich hier ein Gewerk verzögert, verzögert sich das ganze Projekt.


Kalkulation von Sicherheitspuffern (Risikomanagement)


Ein Zeitplan ohne Puffer ist keine Planung, sondern eine Wunschvorstellung. In der Sanierung sind versteckte Mängel (korrodierte Leitungen, morsche Balken) wahrscheinlich.


Methode: Plane Puffer strategisch ein, nicht willkürlich:

Gewerkepuffer: Füge nach kritischen, störungsanfälligen Gewerken (z. B. Rohbau, Trockenbau) Zeitreserven von 10–15 % ein.

Gesamtpuffer: Halte am Ende des Projekts einen „Management-Puffer” von ca. 5–10 % der Gesamtdauer frei für unvorhergesehene Ereignisse (Lieferverzug, Krankheit, Behördenverzögerung).

Wichtig: Kommuniziere diese Puffer intern als Planungsreserve, nicht als verfügbare Zeit für die Handwerker, um den „Parkinson-Effekt” (Arbeit dehnt sich in der verfügbaren Zeit aus) zu vermeiden.


Einbindung der Fachgewerke und Lieferanten


Ein Zeitplan, der im stillen Kämmerlein erstellt wird, scheitert oft an der Realität der Ausführung. Die ausführenden Firmen kennen ihre eigenen Kapazitäten und die aktuellen Lieferzeiten von Materialien (z. B. Fenster, spezielle Fliesen) am besten.


Methode: Stimme den Grobzeitplan in einem Koordinationsmeeting mit den Hauptgewerken ab. Lasse dich die Lieferzeiten für spezifische Materialien schriftlich bestätigen und integriere diese fest in den Plan. Ein Zeitplan ist nur verbindlich, wenn die Materialbereitstellung synchronisiert ist.


LKW Räder

Fortschrittskontrolle und Nachsteuerung (Soll-Ist-Vergleich)


Der Zeitplan ist mit dem Baustart nicht fertig. Er muss wöchentlich aktualisiert werden. Weicht die Ist-Leistung vom Soll ab, muss sofort gegensteuert werden (z. B. durch Erhöhung der Mannschaftsstärke oder Umplanung von Reihenfolgen).


Methode: Führe wöchentliche Baustellenbesprechungen mit Protokoll durch. Dokumentiere den aktuellen Fertigstellungsgrad (%) und vergleiche ihn mit dem Plan. Wenn Verzögerungen auf dem kritischen Pfad auftreten, entwickle sofort Maßnahmen zur Aufholjagd (Beschleunigungsmaßnahmen), bevor der Puffer aufgebraucht ist.



Ein realistischer Zeitplan entsteht nicht durch Hoffnung, sondern durch methodische Zerlegung, logische Verknüpfung und risikobewusste Pufferung. Er dient als Frühwarnsystem: Wer Abweichungen früh erkennt und den kritischen Pfad im Blick behält, kann gegensteuern, bevor der Termin unwiederbringlich verloren ist. Investiere Zeit in die Planung – jede Stunde Planungszeit spart erfahrungsgemäß mehrere Stunden an Chaos auf der Baustelle.



Soll ich einen realistischen Zeitplan für Ihr Projekt erstellen? → Termin buchen.



Quellen: DIN 69900: Projektmanagement – Netzplantechnik (Beschreibung von Begriffe und Grundlagen). / DIN 276: Kosten im Bauwesen (Strukturierung der Leistungsphasen). / VOB/B: Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (Regelungen zu Behinderungen und Fristen). / Fachliteratur und Richtwerte des BKI (Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern) zur Kalkulation von Arbeitswerten und Produktivität.

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