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Product Carbon Footprint (PCF) im Detail: Methoden, Beispiele und praktische Anwendung im Interior Design

  • Autorenbild: Mathilde Adler
    Mathilde Adler
  • 15. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Der Product Carbon Footprint (PCF) wird zunehmend zu einem zentralen Werkzeug, um die Klimawirkung von Produkten transparent zu machen. Während der erste Artikel die Grundlagen erklärt, geht es hier um die tiefergehenden Aspekte, die für Fachleute im Bau, Interior Design und Ladenbau besonders relevant sind.


PCF, LCA und EPD – was ist der Unterschied?


Viele Begriffe werden im Nachhaltigkeitskontext durcheinandergebracht. Eine klare Abgrenzung hilft:

Product Carbon Footprint (PCF)

Fokus: ausschließlich CO₂‑Emissionen

Ergebnis: kg CO₂e pro Produkt

Ziel: Vergleichbarkeit und Transparenz


Der PCF ist ein Teil der LCA, und die EPD ist das offizielle Dokument, das diese Daten veröffentlicht.


Wie wird ein PCF berechnet?


Die Berechnung folgt internationalen Standards wie ISO 14067, GHG Protocol oder EN 15804. Typische Schritte sind folgende:

1. Systemgrenzen definieren

  • Cradle-to-Gate: Rohstoff → Produktion → Werkstor

  • Cradle-to-Grave: inkl. Nutzung & Entsorgung

  • Cradle-to-Cradle: inkl. Recycling und Wiederverwendung

2. Datenerhebung

Energieverbrauch in der Produktion, Materialmengen und Herkunft, Transportwege (km, Transportmittel), Verpackung, Nutzung (z. B. Energiebedarf) und End-of-Life (Recycling, Verbrennung, Deponie).

3. Emissionsfaktoren anwenden

Datenbanken wie Ökobaudat, Ecoinvent, GaBi und Carbon Minds nutzen.

4. Ergebnis berechnen

Alle Emissionen werden in CO₂‑Äquivalente umgerechnet.


Rechenbeispiele: Wie stark unterscheiden sich Materialien?


Diese Beispiele sind typische Größenordnungen aus der Praxis (vereinfachte Werte):

Material

PCF pro kg

Bemerkung

Massivholz

sehr niedrig

speichert CO², abhängig vom Herkunft

MDF

mittel

Leime & Harze erhöhen PCF

Stahl

hoch

sehr gut recycelbar

Aluminium

sehr hoch

recycelt deutlich besser

Kunststoff

stark variierend

abhängig von Sorte & Recyclinganteil


Beispiel: Holzregal vs. Stahlregal

Holzregal (20 kg): ca. 10–20 kg CO₂e

Stahlregal (20 kg): ca. 40–80 kg CO₂e

Aber: Ein Stahlregal hält oft länger und ist zu fast 100 % recycelbar. Ein Holzregal kann durch Transport oder Beschichtungen einen höheren PCF bekommen.


Einflussfaktoren, die oft unterschätzt werden


Es gibt viele Faktoren, die unterschätzt oder vernachlässig werden. Hier sind 4 Punkte, worauf du achten solltest:

1. Transportwege: Ein nachhaltiges Material aus Übersee kann am Ende schlechter abschneiden als ein regionales Produkt.

2. Beschichtungen & Klebstoffe: Lacke, Folien, Kunststoffe oder Harze können den PCF eines Produkts massiv erhöhen.

3. Energiequelle der Produktion: Ein Hersteller, der mit erneuerbaren Energien produziert, hat deutlich bessere PCF‑Werte.

4. Recyclingfähigkeit: Ein hoher PCF kann durch gute Kreislauffähigkeit relativiert werden.


Wie nutzt man PCF‑Daten in der Praxis?


PCF-Daten können für unterschiedliche Ziele benutzt werden.

Für Interior Designer:innen kann es helfen Materialalternativen zu vergleichen, um Kunden nachhaltige Optionen anzubieten. PCF‑Daten können in Moodboards oder Materiallisten integriert werden.

Für Ladenbau & Retail können CO₂‑arme Materialien priorisiert werden, Lieferanten mit transparenten Daten sollten bevorzugt werden und Nachhaltigkeitsberichte oder Zertifizierungen unterstützt.

Für Kund:innen hilft es Bewusste Entscheidungen zu treffen, Produkte mit geringerer Klimawirkung auszuwählen und Langlebigkeit und Reparierbarkeit zu berücksichtigen.


Typische Missverständnisse rund um den PCF


„Holz ist immer nachhaltiger als Metall.“

Nicht zwingend.

Transport, Beschichtung und Herkunft spielen eine große Rolle.


„Recycling macht alles klimafreundlich.“

Nur wenn Recycling tatsächlich stattfindet und technisch möglich ist.


„Ein niedriger PCF bedeutet automatisch ein gutes Produkt.“

Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Qualität sind genauso wichtig.



Der PCF ist ein wertvolles Werkzeug, um die Klimawirkung von Produkten messbar zu machen. Für Fachleute im Bau, Interior Design und Ladenbau bietet er eine solide Grundlage, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen und Projekte transparent zu kommunizieren.



Sie planen ein nachhaltiges Bau- oder Ladenprojekt und möchten den CO₂-Fußabdruck Ihrer Materialien wirklich verstehen? → Lassen Sie uns sprechen.


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